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Sitzkrieg
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Als Sitzkrieg, frĂŒher auch Seltsamer Krieg (französisch DrĂŽle de guerre ‚komischer, seltsamer Krieg‘; englisch Phoney War ‚unechter, vorgetĂ€uschter Krieg‘), wird der Zustand an der Westfront des Zweiten Weltkrieges zwischen der KriegserklĂ€rung Großbritanniens und Frankreichs an das Deutsche Reich am 3. September 1939 infolge des deutschen Überfalls auf Polen und dem Beginn des deutschen Westfeldzugs am 10. Mai 1940 beschrieben, in dem beide Seiten militĂ€risch weitgehend passiv blieben.

Contents

‱ Geschichte
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Im am 19. Mai 1939 von Maurice Gamelin und Tadeusz Kasprzycki unterzeichneten französisch-polnischen MilitÀrabkommen verpflichtete sich Frankreich im Fall eines deutsch-polnischen Kriegs zu drei taktischen Aktionen:

„1. Frankreich fĂŒhrt sofort eine Luftaktion nach einem im voraus festgelegten Plan durch. 2. Sobald ein Teil der französischen Truppen bereit ist (etwa am dritten Tag) wird Frankreich fortschreitend Offensivaktionen mit begrenzten Zielen auslösen. 3. Sobald sich die Hauptanstrengung Deutschlands gegen Polen richten sollte, wĂŒrde Frankreich (vom fĂŒnfzehnten Tage an) mit dem Gros seiner Truppen eine Offensivaktion gegen Deutschland beginnen.“cite-ref-1[1]

Der Sitzkrieg ist auf verschiedene Ursachen zurĂŒckzufĂŒhren, nicht zuletzt auf das Fehlen einer gemeinsamen alliierten Strategie. Frankreich verfĂŒgte zwar ĂŒber ein mehrere Millionen Mann starkes Heer, dieses war aber kaum auf das FĂŒhren eines Offensivkrieges vorbereitet. Stattdessen sah die französische MilitĂ€rdoktrin fĂŒr den Fall eines Krieges mit Deutschland primĂ€r eine auf die Maginot-Linie gestĂŒtzte Verteidigung vor. Ein Übergang zur Offensive war danach frĂŒhestens fĂŒr das Jahr 1941 vorgesehen.cite-ref-2[2]

Mit Aussicht auf Erfolg hĂ€tte ein Einmarsch in Deutschland ohnehin kaum ohne die Verletzung der NeutralitĂ€t Belgiens durchgefĂŒhrt werden können, was aus politischen GrĂŒnden nicht infrage kam. Der deutsche Westwall wurde vom französischen Oberkommando als stark genug eingeschĂ€tzt, von den wenigen dort eingesetzten deutschen Divisionen der Heeresgruppe C auch gegen eine deutliche französische Übermacht ĂŒber lĂ€ngere Zeit gehalten zu werden. TatsĂ€chlich schĂ€tzte man auf der deutschen Seite die Lage genau andersherum ein, der deutsche Befehlshaber an der Westfront erhielt von einem seiner GenerĂ€le die EinschĂ€tzung, dass die Wehrmacht den Franzosen nicht einmal einen Tag widerstehen könnte.cite-ref-3[3] Auch französische Luftangriffe auf Deutschland wurden verworfen, da man mit starken Vergeltungsangriffen der Luftwaffe rechnete, die die im Osten des Landes konzentrierte französische Flugzeugindustrie stark hĂ€tten beeintrĂ€chtigen können.

Auf alliierter Seite fehlte nicht nur eine gemeinsame Strategie, ungelöst war auch die Frage, wie Luxemburg, Belgien, Niederlande und die Schweiz in eine solche einbezogen werden können. FĂŒr die Regierungen dieser LĂ€nder war dies ein Drahtseilakt. Denn bei allen Maßnahmen, die zum Schutz des eigenen Landes zu treffen waren, galt es immer auch, durch diese nicht die eigene NeutralitĂ€t in Frage zu stellen und keinen Vorwand fĂŒr eine militĂ€rische Intervention Deutschlands zu liefern.cite-ref-4[4]

Von ostdeutschen Historikern der DDR wurde der Sitzkrieg dagegen als Fortsetzung der Appeasement-Politik interpretiert, mit der ihrer Ansicht nach die deutsche Aggression doch noch gegen die Sowjetunion gelenkt werden sollte.cite-ref-5[5]

Auf deutscher Seite galt ein FĂŒhrerbefehl Adolf Hitlers vom 31. August 1939:cite-ref-6[6]

„Im Westen kommt es darauf an, die Verantwortung fĂŒr die Eröffnung von Feindseligkeiten eindeutig England und Frankreich zu ĂŒberlassen. GeringfĂŒgigen Grenzverletzungen ist zunĂ€chst rein örtlich entgegenzutreten. Die deutsche Westgrenze ist an keiner Stelle ohne meine ausdrĂŒckliche Genehmigung zu ĂŒberschreiten.“

Saar-Offensive

Um den Verpflichtungen des französisch-polnischen Beistandspakts vom Mai 1939 GenĂŒge zu tun, befahl der französische Generalstab die „OpĂ©ration Sarre“ (oft auch Offensive de la Sarre genannt). Französische Truppen ĂŒberschritten am 9. September die deutsche Grenze. Truppen der Wehrmacht leisteten befehlsgemĂ€ĂŸ keinen wesentlichen Widerstand (Deutschland wollte einen Zweifrontenkrieg vermeiden). Zu Gefechten kam es im Abschnitt zwischen SaarbrĂŒcken und dem PfĂ€lzerwald, wo der Schwerpunkt der Offensive lag.cite-ref-7[7] Am 12. September standen die Truppen bis zu acht Kilometer auf deutschem Gebiet, wobei sie zwölf deutsche Ortschaften entlang der gerĂ€umten Grenzzone im Saargebiet vor dem Westwall besetzten. Die begrenzte Offensive hatte lediglich die Feststellung der StĂ€rke der Verteidigungsanlagen des Westwalls zum Ziel.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Am 21. September befahl General Maurice Gamelin, die Truppen wieder auf ihre Ausgangsstellungen an der Maginot-Linie zurĂŒckzuziehen. Am 17. Oktober verließen die letzten französischen Truppen deutsches Gebiet. Frankreich hatte bei der Offensive insgesamt etwa 2.000 Soldaten durch Tod, Verwundung oder Krankheit verloren.cite-ref-10[10] Einige französische GenerĂ€le wie z. B. Henri Giraud waren mit dem RĂŒckzug nicht einverstanden und sahen eine ungenutzte Gelegenheit.

Eine wirksame Entlastung des polnischen VerbĂŒndeten oder gar eine Verhinderung der polnischen Niederlage war auf diese Weise nicht zu erreichen. Dieses zögerliche Verhalten der alliierten FĂŒhrung geht auf das BemĂŒhen zurĂŒck, trotz des Hitler-Stalin-Paktes nicht gĂ€nzlich mit der Sowjetunion zu brechen, die am 17. September ihre Besetzung Ostpolens begonnen hatte. Die Reaktion der WestmĂ€chte hierauf blieb verhalten, die vor dem Krieg abgeschlossenen BĂŒndnisvertrĂ€ge Frankreichs und Großbritanniens mit Polen bezogen sich ausdrĂŒcklich nur auf den Kriegsgegner Deutschland. Winston Churchill, damals noch Marineminister, Ă€ußerte am 1. Oktober, wenige Tage nach dem Fall Warschaus, in einer Radioansprache:

“[
] We could have wished that the Russian armies should be standing on their present line as the friends and allies of Poland instead of as invaders. But that the Russian armies should stand on this line was clearly necessary for the safety of Russia against the Nazi menace. At any rate, the line is there, and an Eastern front has been created which Nazi Germany does not dare assail. When Herr von Ribbentrop was summoned to Moscow last week it was to learn the fact, and to accept the fact, that the Nazi designs upon the Baltic States and upon the Ukraine must come to a dead stop.”

„Wir hĂ€tten hoffen können, dass die russischen StreitkrĂ€fte als Freunde und VerbĂŒndete Polens statt als Angreifer an der derzeitigen Grenzlinie stehen wĂŒrden. Doch dass die russischen Armeen an dieser Grenze stehen wĂŒrden, war fĂŒr die Sicherheit Russlands gegenĂŒber der nationalsozialistischen Bedrohung eindeutig erforderlich. Wie dem auch sei, die Grenze existiert, und eine Ostfront ist geschaffen worden, welche Nazideutschland nicht zu erstĂŒrmen wagt. Als Herr von Ribbentrop letzte Woche nach Moskau bestellt wurde, war es, um die Tatsache zu erfahren und zu akzeptieren, dass die PlĂ€ne des NS-Regimes bezĂŒglich der baltischen Staaten und der Ukraine zu einem Stillstand kommen mĂŒssen.“cite-ref-11[11]

Polen war Anfang Oktober 1939 besiegt; anschließend verlegte die Wehrmacht in großem Umfang Soldaten und Waffen an die Westfront (zurĂŒck). Die 1. Armee, kommandiert von Erwin von Witzleben (1881–1944), fĂŒhrte vom 16. bis zum 24. Oktober eine Gegenoffensive. Sie besetzte einige Quadratkilometer französischen Territoriums; dabei gab es auf deutscher Seite 196 Tote, 356 Verwundete und elf zerstörte Flugzeuge. Dann begann eine Waffenruhe, die bis zum Beginn des Westfeldzugs am 10. Mai 1940 wĂ€hrte. Der Winter 1939/40 war lang und sehr kalt; der Angriffstermin wurde 29-mal verschoben.

Nach dem Überfall auf Polen

Als die französische Mobilmachung Mitte September 1939 abgeschlossen war, war Polen nahezu besiegt. Sowjetische Truppen hatten mit der Besetzung Ostpolens begonnen, was die politische Situation noch schwieriger gestaltete.

Nicht wenige Politiker begannen nun auf eine politische Lösung des Konflikts zu setzen, insbesondere nach dem Friedensangebot Hitlers an die WestmĂ€chte am 6. Oktober. Ein Angebot der Niederlande und Belgiens zur Friedensvermittlung an die StaatsoberhĂ€upter Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands vom November 1939 wurde von Großbritannien und Frankreich zurĂŒckgewiesen; diese forderten als Grundlage fĂŒr Friedensverhandlungen ĂŒber die Wiederherstellung der Tschechoslowakei und Polens hinaus auch die Österreichs.cite-ref-12[12]

Die Einsatzbereitschaft des anfangs lediglich vier Divisionen umfassenden britischen Expeditionskorps wurde sogar erst Mitte Oktober hergestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Verlegung der Masse des deutschen Heeres nach Westen lÀngst begonnen. Die Alliierten richteten sich daher an der Maginot-Linie zur Verteidigung ein.

Entwicklungen September 1939 bis Mai 1940

Planung des „Fall Gelb“

Siehe auch

:

Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg

Die Entscheidung, Frankreich noch 1939 anzugreifen, war gefallen, noch ehe der „Fall Weiß“ vollstĂ€ndig beendet und Warschau gefallen war. Am 9. Oktober 1939 wurde „Weisung Nr. 6“ herausgegeben, welche die GrundzĂŒge der Operationen im Westen festlegte, bevor die Alliierten am 10./12. Oktober 1939 das deutsche Friedensangebot vom 6. Oktober 1939 abgelehnt hatten. Der erste Angriffsplan wurde am 19. Oktober 1939 vom Generalstab des Heeres unter Generaloberst Franz Halder fertiggestellt und Ă€hnelte stark dem „Schlieffenplan“ mit Schwerpunktbildung auf dem rechten FlĂŒgel.cite-ref-13[13] Die Verletzung der belgischen und niederlĂ€ndischen NeutralitĂ€t wurde mit Hinblick auf erforderliche Operationsbasen fĂŒr Marine und Luftwaffe gegen Großbritannien, wie im Ersten Weltkrieg, von vornherein eingeplant.cite-ref-14[14] Zum Entsetzen der GeneralitĂ€t des Oberkommandos des Heeres (OKH) unter Walther von Brauchitsch wurde aus der Vermutung mit Befehl vom 31. Oktober 1939 Gewissheit: der Angriff wurde trotz massiver Bedenken des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) bezĂŒglich KampfstĂ€rke und Munitionsversorgung der Wehrmacht auf den 12. November 1939 eine Viertelstunde vor Sonnenaufgang festgesetzt.

Durch eine Auseinandersetzung zwischen Adolf Hitler und Walther von Brauchitsch ĂŒber die LeistungsfĂ€higkeit der Wehrmacht am 5. November 1939 vergaß „der FĂŒhrer“ nach einem Wutanfall, den Angriffsbefehl zu bestĂ€tigen.cite-ref-15[15] Obwohl der Befehl, nachdem sich Hitler wieder beruhigt hatte, nicht aufgehoben wurde, verhinderte im weiteren Verlauf des Herbstes extrem schlechtes Wetter den Beginn der Offensive. Heftige RegenfĂ€lle und Winde verboten den Einsatz der Luftwaffe, welcher der entscheidende Faktor fĂŒr die neue Taktik der Wehrmacht im Zusammenspiel von Panzern und Flugzeugen war. WĂ€hrend dieser erzwungenen Pause entstand in mehreren Schritten der „Sichelschnittplan“, welcher auf einer Idee des Generals der Infanterie Erich von Manstein basiert. Aber auch Hitler war mit den bis dato entwickelten PlĂ€nen unzufrieden und tendierte zu einer Schwerpunktbildung im Zentrum.cite-ref-16[16]

Nach der „AffĂ€re Mechelen“ am 10. Januar 1940 musste das OKW davon ausgehen, dass die Alliierten ĂŒber die deutschen AngriffsplĂ€ne im Bilde waren und das Überraschungsmoment vertan war. Am 17. Februar 1940 kam es zu einer ersten Zusammenkunft zwischen von Manstein und Hitler in der Neuen Reichskanzlei im Rahmen einer Kommandeurstagung. Danach wurden der risikoreiche „Plan Sedan“, sowie Ablenkungsmanöver und Angriffe auf SchlĂŒsselstellungen in Belgien und den Niederlanden entwickelt. Bei diesen sollte u. a. die neue FallschirmjĂ€gerwaffe eingesetzt werden, z. B. um das Fort Eben-Emael mittels Sprengung durch neu entwickelte Hohlladungen einzunehmen. Nach einem letzten Aufschub zwei Tage zuvor wurde der Angriffsbefehl fĂŒr den folgenden Tag am 9. Mai 1940 bestĂ€tigt.

Planungen der Alliierten

Die Alliierten hatten zwei Schwachpunkte: zum einen die dezentrale Kommandostruktur der französischen Armee, zum anderen das Fehlen einheitlicher Planung und Koordination der KrĂ€fte im Vorfeld der Konfrontation.cite-ref-17[17] Frankreichs Planungen waren rein defensiv und auf die Maginot-Linie ausgerichtet.cite-ref-18[18] Großbritannien sandte gemĂ€ĂŸ seiner Beistandsverpflichtung ein Expeditionskorps, die „British Expeditionary Force“ (BEF), unter Field Marshal Lord Gort, um die französischen Truppen zu unterstĂŒtzen. Dieser ordnete sich zwar militĂ€risch dem französischen Oberkommando unter, erhielt aber politisch weiterhin Anweisungen aus London.cite-ref-19[19] Belgien verweigerte unter Hinweis auf seine NeutralitĂ€t / UnabhĂ€ngigkeit eine gemeinsame Planung und richtete sich defensiv zur Verteidigung seiner Grenzen ein.cite-ref-20[20] Die neutralen Niederlande beschrĂ€nkten sich mangels Truppen auf die Verteidigung der wichtigsten Landesteile („Festung Holland“) und rechneten nicht mit einem Angriff.cite-ref-21[21]

Am 24. Oktober 1939 beschloss das französische Oberkommando, Vorkehrungen fĂŒr den Fall eines deutschen Angriffs auf Belgien zu treffen. Nach „Plan Escaut“cite-ref-raymond-cartier-s-94-22-0[22] sollten Truppen bis an die Schelde nahe der französischen Grenze vorverlegt werden, um die deutschen Truppen von dieser fernzuhalten. Dazu wurden motorisierte VerbĂ€nde an die belgische Grenze verlegt. Nachdem der deutsche Angriff auf sich warten ließ und die belgischen Verteidigungsmaßnahmen konkrete Formen annahmen, wurde der Plan erweitert und die Möglichkeit einer Verteidigung des Albert-Kanals nahe der deutschen Grenze geprĂŒft. Schließlich einigte man sich mit Entwurf vom 5. und „Weisung Nr. 8“ vom 15. November 1939 auf eine Zwischenlösung „Plan Dijele“,cite-ref-raymond-cartier-s-94-22-1[22] welcher BrĂŒssel sichern und die Anmarschwege verkĂŒrzen wĂŒrde. Die Instruktion vom 14. November 1939 sah vor, Holland im Falle eines deutschen Angriffs ebenfalls zu unterstĂŒtzen, wofĂŒr Teile der motorisierten VerbĂ€nde eingeplant wurden („Plan Breda“).cite-ref-23[23] Die belgische Regierung wurde ĂŒber die alliierten PlĂ€ne in Kenntnis gesetzt, bat aber auch nach der „AffĂ€re Mechelen“ vom 10. Januar 1940 nicht um militĂ€rischen Beistand. Stattdessen informierte der belgische MilitĂ€rattachĂ© General Delvoie in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 1940 den französischen Generalissimus Maurice Gamelin ĂŒber einen fĂŒr den Folgetag mit Sicherheit bevorstehenden Angriff.cite-ref-24[24] Die durchbrochene Geheimhaltung und einsetzende starke SchneefĂ€lle verhinderten tatsĂ€chlich einen zwischenzeitlich fĂŒr den 17. Januar 1940 von Hitler befohlenen Angriff. Nach Ausbleiben der Offensive wurden die alliierten Truppen in die Winterquartiere befohlen.

Durch den erzwungenen Stillstand und mangels strategischer Optionen an dieser Front wurden weitere Planungen zu Gunsten eines eventuellen Einsatzes in Norwegen und Schweden zurĂŒckgestellt. Eine Verminung des Rheins mit Treibminen durch die Royal Air Force (RAF) (Plan „Royal Marines“cite-ref-raymond-cartier-s-78-25-0[25]) und Bombardierung deutscher RĂŒstungsbetriebe wurde nach langen Diskussionen verworfen, da Vergeltungsaktionen auf französische StĂ€dte befĂŒrchtet wurden. Stattdessen plante man die Verminung norwegischer GewĂ€sser („Operation Wilfred“) im Rahmen der alliierten Invasion Norwegens („Plan R 4“). Dieser kam die Wehrmacht mit „Unternehmen WeserĂŒbung“ nur um Stunden zuvor, wĂ€hrend sich britische Truppen bereits in Rosyth einschifften.cite-ref-raymond-cartier-s-78-25-1[25]

Truppenkonzentration an der Grenze

Zu Beginn der Auseinandersetzung hatte Frankreich nach unterschiedlichen Angaben zwischen 101cite-ref-26[26] und 108cite-ref-raymond-cartier-s-53-27-0[27] Divisionen (inklusive FestungsverbĂ€nde) sowie zahlreiche Sondereinheiten und Dienstleistungsabteilungen aufgestellt. Davon waren fĂŒnf Kavalleriedivisionen (DC)cite-ref-raymond-cartier-s-53-27-1[27] oder „Leichte Kavalleriedivisionen“ (DCL)cite-ref-28[28] und zweicite-ref-raymond-cartier-s-53-27-2[27] oder dreicite-ref-29[29] „Leichte motorisierte Divisionen“ (DLM) zur AufklĂ€rung, sowie zehn motorisierte Infanteriedivisionen.cite-ref-john-keegan-s-99-30-0[30] Bis auf die mobilen Einheiten wurden die meisten Divisionen passiv zur Sicherung der „Maginot-Linie“ eingesetzt, was zu stellenweise widersinnigen Verteilungen fĂŒhrte. So standen z. B. im Mai 1940 im Elsass und in Lothringen 40 französische Divisionen der 3., 4., 5. und 8. Armee mit schwerer Artillerie- und PanzerunterstĂŒtzung passiv etwa 20 deutschen Infanteriedivisionen gegenĂŒber.cite-ref-31[31] Die motorisierten Divisionen wurden ĂŒberwiegend in der 1., 7. und 9. französischen Armee an der Grenze zu Belgien und Luxemburg konzentriert. Am 16. Januar 1940 ordnete das französische Oberkommando, als Konsequenz aus der Niederlage Polens, die Schaffung von Panzerdivisionen (DCR = Division cuirassĂ©e) an. Bis zum 10. Mai 1940 wurden davon dreieinhalb, von 1 bis 4 durchnummerierte Divisionen aufgestellt, wobei die vierte, unvollstĂ€ndige DCR vom spĂ€teren Staatsoberhaupt und damaligen Oberst Charles de Gaulle kommandiert wurde. Weiterhin wurden wĂ€hrend des Winters eine „Leichte Division“ und sechs Infanteriedivisionen (DI) aufgestellt.cite-ref-raymond-cartier-s-58-32-0[32]

Ab September 1939 trafen die ersten Einheiten des britischen Expeditionskorps in Frankreich ein. Im Dezember 1939 standen alle fĂŒnf aktiven Divisionen des Berufsheers in Frankreich.cite-ref-33[33] Im Mai 1940 standen schließlich nach unterschiedlichen Quellen elf Divisionen mit insgesamt 394.195 Manncite-ref-raymond-cartier-s-58-32-1[32] bzw. 13 Infanterie- und eine unvollstĂ€ndige Panzerdivisioncite-ref-34[34] an der belgischen Grenze. Diese gliederten sich als Block zwischen der 1. und 9. französischen Armee ein, mit Ausnahme einer Infanteriedivision, welche der 3. französischen Armee zugeteilt war.

Belgiens Heer umfasste anfĂ€nglich zwischen 20cite-ref-35[35] oder 22,cite-ref-36[36] spĂ€ter 23cite-ref-37[37] Divisionen. Ein Teil wurde zur Sicherung der NeutralitĂ€t an der Grenze zu Frankreich aufgestellt, da die belgische Regierung befĂŒrchtete, prĂ€ventiv durch französische Truppen besetzt zu werden.cite-ref-38[38] Nach Bekanntwerden der deutschen AngriffsplĂ€ne wurde die eine HĂ€lfte gegen einen Angriff aus Holland und die andere HĂ€lfte zur Sicherung der Ostgrenze aufgestellt. Das niederlĂ€ndische Heer bestand aus zehncite-ref-39[39] Divisionen, welche an den SchlĂŒsselstellungen des Landes konzentriert waren.

Der alliierten Übermacht standen im September 1939 nur elf aktive deutsche Divisionen gegenĂŒber.cite-ref-40[40] Noch vor Beendigung des Feldzugs in Polen, wurden erste Truppen in EisenbahnzĂŒgen und auf Autobahnen schnellstmöglich an den Rhein verlegt. Die Aufstellung von 35 Divisionen der dritten und vierten Aufstellungswelle wurde mit Hochdruck betrieben. Nur die defensive Ausrichtung der alliierten Armeen und das zögerliche Verhalten der alliierten GeneralstĂ€be verhinderten eine Katastrophe fĂŒr das Deutsche Reich. Mitte Oktober standen schließlich 70 Divisionen an der Grenze.cite-ref-41[41]

Durch das aus strategischen GrĂŒnden am 3. MĂ€rz 1940 von Hitler auf den 9. April vorgezogene „Unternehmen WeserĂŒbung“ wurden viele regulĂ€re Truppen und Spezialeinheiten nach DĂ€nemark und Norwegen befohlen. Am 10. April 1940 erreichte die Wehrmacht an der Westfront eine StĂ€rke von 136 œ Divisionen, was vom mit der FeindĂŒberwachung beauftragten französischen Hauptmann Glain prĂ€zise ermittelt und dem unglĂ€ubig staunenden „Großen Hauptquartier“ in Fort Vincennes mitgeteilt wurde.cite-ref-raymond-cartier-s-58-32-2[32] Davon waren zehn Panzer- und sechs motorisierte Infanteriedivisionen sowie eine motorisierte Kavalleriedivision und zwei motorisierte Divisionen der Waffen-SS.cite-ref-john-keegan-s-99-30-1[30]

Lage im Deutschen Reich

Trotz des ĂŒberraschend schnellen Sieges ĂŒber Polen war die Stimmung angespannt und nervös. In den StĂ€dten nahe der französischen Grenze ging das GerĂŒcht um, die Franzosen ĂŒberschritten bereits den Rheincite-ref-42[42] und RĂŒckschlĂ€ge wie die „Marneschlacht“ nach Anfangserfolgen im Ersten Weltkrieg waren nicht vergessen. Erst nachdem klar wurde, dass Frankreich keine Offensive zur Entlastung Polens beginnen wĂŒrde, entspannte sich die Lage etwas.

Das Reich war nicht auf einen großen europĂ€ischen Krieg vorbereitet und stand deshalb vor erheblichen wirtschaftlichen und militĂ€rischen Problemen. Erschwerend kam hinzu, dass es mit Hitler einen Ă€ußerst ungeduldigen Oberkommandierenden hatte. Die Mobilmachung wurde in fieberhafter Eile vorangetrieben, aber die RĂŒstungsproduktion konnte den Truppenaushebungen anfĂ€nglich nicht folgen. Die MunitionsvorrĂ€te von Heer und Luftwaffe waren erschöpft und die Produktion wurde gerade erst auf den Kriegsfall umgestellt und war noch nicht ausreichend effektiv. Die im Schnellverfahren aufgestellte Wehrmacht stand noch nicht sicher und entsetzte die in der Kaiserlichen Armee groß gewordenen GenerĂ€le,cite-ref-43[43] welche sogar einen Streik des OKH in ErwĂ€gung zogen.cite-ref-44[44] All diese Mankos wurden von der NS-Propaganda ĂŒberdeckt, welche dem Volk vorgaukelte, der FĂŒhrer habe alles im Griff und das Reich sei stark und gerĂŒstet. Erst durch die witterungsbedingte Pause war es dem Reich möglich, sich zu organisieren und konzentriert anzugreifen.

WĂ€hrend Heer und Luftwaffe nur defensiv agierten, wurde der Seekrieg mit U-Booten und der Verminung britischer GewĂ€sser durch z. T. Magnetminen vom ersten Tag an mit voller Heftigkeit betrieben. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wurden direkt zu Kriegsbeginn durch die der Prisenordnung und dem Völkerrecht widersprechende Versenkung der Athenia schwer belastet, bei der 28 amerikanische StaatsbĂŒrger ums Leben kamen.

Lage in Frankreich

Nach der KriegserklĂ€rung an das Deutsche Reich herrschte in Frankreich eine beklemmende Stimmung aus Angst und Verwirrung. Die Augusttage zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren noch nicht vergessen, so dass man in der Folge dankbar fĂŒr die trĂŒgerische Ruhe war, in denen es nicht die großen Verluste der Jahre 1914–1918 gab.cite-ref-raymond-cartier-s-35-45-0[45] Die angebliche Uneinnehmbarkeit von „Westwall“ und „Maginot-Linie“ fĂŒhrte zu der Annahme, dass Offensiven an sich sinnlos seien und eine Lösung des Patts nur durch Wirtschaftsblockade und Propaganda zustande kommen könne. GerĂŒchte ĂŒber Geheimverhandlungen machten die Runde und die Soldaten gingen davon aus, demobilisiert zu werden, ohne einen Schuss abgegeben zu haben.cite-ref-46[46] Dies und mangelnde BeschĂ€ftigung fĂŒhrten zu Langeweile, Faulheit und Verwahrlosung in der Truppe,cite-ref-47[47] welcher die ArmeefĂŒhrung nicht energisch genug entgegentrat. Im Gegenteil hielten die ArmeestĂ€be Luxusbankette ab, zu denen u. a. Pariser Meisterköche engagiert und Steinbutt aus Boulogne herangeschafft wurden.cite-ref-raymond-cartier-s-35-45-1[45]

Trotz der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs wurde die Mobilmachung in Frankreich nicht effizient geplant und vorbereitet. Sie verlief dementsprechend schleppend. Der Verwaltungsapparat arbeitete weiter wie im tiefsten Frieden. Die MilitĂ€rverwaltung zog Spezialisten fĂŒr die Waffenherstellung irrtĂŒmlich ein, die Fabriken mussten sie mĂŒhsam und gegen viele WiderstĂ€nde wieder in die Fabriken zurĂŒckbringen lassen. Landarbeiter beschwerten sich, das „Kanonenfutter“ der Armee zu sein, und forderten Sonderkonditionen fĂŒr die Aussaat. Es kam zu teils komischen, teils tragischen VorfĂ€llen, welche die RĂŒstung behinderten, z. B. der Sabotage von 120 Panzerabwehrkanonen (PaK) im Arsenal von Montluçon.cite-ref-raymond-cartier-s-75-48-0[48] Insgesamt mobilisierte Frankreich fĂŒnf Millionen Soldaten, was einem Achtel der Bevölkerung entsprach, einem von 4 MĂ€nnern. Trotzdem waren dies ca. 415.000 Mann weniger als 1917, nach drei Jahren Krieg und 1,5 Millionen Toten und Verwundeten.cite-ref-raymond-cartier-s-53-27-3[27]

In dieser Situation stĂŒrzte das französische Parlament am 19. MĂ€rz 1940 den bisherigen Premierminister Édouard Daladier. Seine „Appeasement-Politik“ erschien als offensichtlich gescheitert und die Verweigerung von Hilfen fĂŒr das von der Sowjetunion angegriffene Finnland (siehe Winterkrieg 1939–1940) war der sprichwörtliche Tropfen, welcher das Fass zum Überlaufen brachte. Seine Nachfolge trat, nach einem extrem knappen Votum, Paul Reynaud an, welcher als Verfechter des „Kriegs auf Leben und Tod“ galt. Er hegte im Gegensatz zu seinem VorgĂ€nger eine starke Abneigung gegen den Oberbefehlshaber Maurice Gamelin, was auf Gegenseitigkeit beruhte und zu ernsten politischen und militĂ€rischen Komplikationen fĂŒhrte.cite-ref-49[49]

Lage in Großbritannien

Auch in London war das Entsetzen ĂŒber die gescheiterte „Appeasement-Politik“ groß und die Stimmung gedrĂŒckt. Auch wenn die Regierung zum Widerstand entschlossen war, herrschten in der Bevölkerung anfĂ€nglich Verwirrung und DefĂ€tismus vor, was u. a. zu Streiks und WiderstĂ€nden gegen kriegsbedingte Mehrarbeit und Einstellung von Frauen in der RĂŒstungsindustrie fĂŒhrte.cite-ref-raymond-cartier-s-75-48-1[48] Die RĂŒstungsproduktion lief schleppend an und war, wie die gesamte Versorgung der Insel, von Importen aus Übersee abhĂ€ngig, die der U-Boot- und Handelskrieg stĂ€ndig gefĂ€hrdete.

Die Regierung mobilisierte die zur VerfĂŒgung stehenden Truppen des britischen Berufsheeres und ließ sie schnellstmöglich nach Frankreich verschiffen. Sie versetzte Royal Navy und RAF gemĂ€ĂŸ vorbereiteten PlĂ€nen in den Kriegszustand und ließ eine Seeblockade errichten, um das Deutsche Reich von seinen westlichen Handelsrouten abzuschneiden. Weiterhin fĂŒhrte man in begrenztem Umfang Musterungen durch, die allerdings vorerst nur ledige junge MĂ€nner erfassten und etliche Ausnahmen gewĂ€hrten. Schlussendlich mobilisierte die Regierung nur ein Vierzigstel der Bevölkerung.cite-ref-raymond-cartier-s-58-32-3[32]

Am 8. Mai 1940 stĂŒrzte die Opposition im Unterhaus schließlich auch den britischen Vertreter der „alten Politik“ Neville Chamberlain in Folge der hitzigen Norwegendebatte. Zu seinem Nachfolger wĂ€hlte das Parlament Winston Churchill; dieser berief umgehend sein spĂ€ter legendĂ€r gewordenes Kriegskabinett ein und appellierte z. B. in der „Blut-Schweiß-und-TrĂ€nen-Rede“ vom 13. Mai 1940 an den Zusammenhalt der Bevölkerung.

Lage in der Schweiz

Aufgrund der politischen Entwicklungen wurde am 30. August 1939 General Henri Guisan zum Oberbefehlshaber der Schweizer Armee gewĂ€hlt. Nach dem deutschen Überfall auf Polen erfolgte am 1. September 1939 die allgemeine Kriegsmobilmachung. Durch den Überfall sah man sich zwar nicht unmittelbar bedroht, dennoch wollte man Folgen fĂŒr die Schweiz im Falle einer Intervention Frankreichs zugunsten Polens nicht ausschließen. Zwei Szenarien standen dabei im Raum. Zum einen wurde befĂŒrchtet, Frankreich könnte seinen BĂŒndnispartner Polen mittels einer Entlastungsoffensive ĂŒber schweizerisches Territorium unterstĂŒtzen. Zum anderen musste man bei einer Reaktion Deutschlands auf die KriegserklĂ€rung Frankreichs mit einer Umgehung der Maginot-Linie durch die Wehrmacht im Raum Basel rechnen. Vor diesem Hintergrund wurden im Herbst 1939 zwei Arbeitsgruppen eingesetzt, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem Alliierten Hauptquartier bzw. mit dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) im Falle eines Angriffs auf die Schweiz zu erarbeiten.cite-ref-50[50]

Am 10. Mai 1940 begann im Westen mit dem Überfall Deutschlands auf die Beneluxstaaten der Feldzug gegen Frankreich. Einen Tag spĂ€ter erfolgte in der Schweiz die zweite Generalmobilmachung.

Propaganda im Sitzkrieg

Auch wenn es an grĂ¶ĂŸeren militĂ€rischen Aktionen fehlte, entwickelte sich im Westen schon bald eine Propagandaschlacht. Es ging im Wesentlichen darum, einen Keil zwischen die politische FĂŒhrung und die Bevölkerung oder die VerbĂŒndeten des jeweils feindlichen Lagers zu treiben. Die Waffen waren hier die Lautsprecher der Propagandakompanien und FlugblĂ€tter. Über den Sender MĂŒhlacker sendete der Reichssender Stuttgart Berichte und Kommentare in französischer Sprache („Stuttgart vous parle“).cite-ref-51[51] Die Wirkung der deutschen Propaganda auf seine Landsleute beschreibt Jean-Paul Sartre in seinen ‚Les carnets de la drĂŽle de guerre‘. Er musste feststellen, dass sich viele von ihnen fĂŒr die deutsche Propaganda empfĂ€nglich zeigten und – trotz KriegserklĂ€rung zur UntĂ€tigkeit verdammt – auch die Sinnhaftigkeit des Krieges zunehmend hinterfragten. Sartre war zu dieser Zeit Soldat eines in Marmoutier, einem kleinen Ort rund 35 km nordwestlich von Straßburg, stationierten Wetterbeobachtungstrupps.cite-ref-52[52]

Weitere Ereignisse

‱ Versenkung der Courageous am 17. September 1939 sĂŒdwestlich von Irland durch U 29 unter KapitĂ€nleutnant Otto Schuhart
‱ Versenkung der Royal Oak am 14. Oktober 1939 in Scapa Flow durch U 47 unter KapitĂ€nleutnant GĂŒnther Prien
‱ Selbstversenkung der Admiral Graf Spee am 17. Dezember 1939 unter KapitĂ€n Hans Langsdorff in der MĂŒndung des RĂ­o de la Plata vor Montevideo in Uruguay
‱ Sowjetischer Überfall auf Finnland, Winterkrieg vom 30. November 1939 bis zum 13. MĂ€rz 1940
‱ Venlo-Zwischenfall am 9. November 1939, bei dem britisch-niederlĂ€ndische Zusammenarbeit enttarnt wurde
‱ Mechelen-Zwischenfall am 10. Januar 1940, durch den deutsche Westfeldzug-PlĂ€ne in belgische HĂ€nde gerieten
‱ Zusammenkunft von Adolf Hitler und Benito Mussolini am 18. MĂ€rz 1940 am Brenner
‱ Unternehmen WeserĂŒbung: deutscher Überfall auf DĂ€nemark und Norwegen vom 9. April 1940 bis Mai 1940

Folgen und Nachwirkungen

Vom 1. September 1939 bis zum 9. Mai 1940 verlor die Wehrmacht auf dem westlichen Kriegsschauplatz fast 10.000 Soldaten, davon an die 5.000 Tote und Vermisste. Auf das Heer entfielen nur knapp 40 % der Gesamtverlustzahl.cite-ref-53[53]

Alfred Jodl sagte bei den NĂŒrnberger Prozessen: „Dass wir nicht bereits im Jahr 1939 gescheitert sind, war nur dem Umstand zu verdanken, dass wĂ€hrend des Polenfeldzuges die schĂ€tzungsweise 110 französischen und britischen Divisionen im Westen komplett inaktiv gegen die deutschen 23 Divisionen gehalten wurden.“cite-ref-54[54]

Der Begriff Sitzkrieg wurde von der britischen Presse geprÀgt und als ironisches Antonym von Blitzkrieg gebraucht.cite-ref-dunstan-2012-55-0[55]cite-ref-daniels-2006-56-0[56]cite-ref-whyte-2011-57-0[57] Die deutsche Propaganda griff dies auf.cite-ref-58[58]

Verwendung in jĂŒngerer Zeit erfuhr der Begriff 1991 wĂ€hrend des Zweiten Golfkrieges, als die alliierte Strategie zunĂ€chst vor allem auf einen massiven Luftschlag setzte, wĂ€hrend die Fronten vor Kuwait noch ruhten.

Literatur

‱ Marc Bloch, PodivnĂĄ porĂĄĆŸka : svědectvĂ­ z roku 1940, Argo, Prag, 2007, ISBN 978-80-7203-938-8.
‱ Maude Williams, Bernard Wilkin: French soldiers' morale in the Phoney War, 1939-1940. Routledge, London 2019, ISBN 978-1-138-23274-7.
‱ Stefan Sauer, Alexander Jordan: Ein Krieg à la Kafka – Der Sitzkrieg 1939/1940. In: Der Bote aus dem Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt 53 (2023), S. 65–88, ISSN 1864-8762.

Weblinks

Commons

: Sitzkrieg

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‱ Der Sitzkrieg bei dhm.de

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Walther Hofer: Die Entfesselung des zweiten Weltkrieges. Eine Studie ĂŒber die internationalen Beziehungen im Sommer 1939. Frankfurt am Main 1960, S. 172.
cite-note-22. ↑ Jean Doise, Maurice Vaïsse: Diplomatie et outil militaire 1871–1991. Taschenbuchausgabe. Éditions du seuil, Paris 1991, S. 396 f und 416 f
cite-note-33. ↑ Thomas Sowell: Intellectuals and Society. S. 319 (englisch).
cite-note-44. ↑ FĂŒr die Schweiz vgl. Stefan Sauer: »Die Schweiz 1939/1940 – Im Fadenkreuz der deutschen Abwehr«, in: Der Bote aus dem Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt, Nr. 53/2023, ISSN 1864-8762, S. 90 m. w. N.
cite-note-55. ↑ Andreas Dorpalen: German History in Marxist Perspective. The East German Approach. London 1985, S. 436.
cite-note-66. ↑ Zitiert nach: Hans-Walter Herrmann: SaarbrĂŒcken unter der NS-Herrschaft. In: Rolf Wittenbrock: Geschichte der Stadt SaarbrĂŒcken, Bd. 2. SaarbrĂŒcken 1999, S. 256.
cite-note-77. ↑ Vgl. dazu Stefan Sauer/Wolfgang Steche: »Gesichter des Krieges – Auf den Schlachtfeldern Europas 1939-1945«, Rhein-Mosel-Verlag 2021, ISBN 978-3-89801-380-2, S. 53 m. w. N.
cite-note-88. ↑ Chemins de memoire (Memento vom 21. August 2011 im Internet Archive)
cite-note-99. ↑ Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 2. Stuttgart 1979, S. 272.
cite-note-1010. ↑ La drole de guerre 39-40, auf cheminsdememoire.gouv.fr (französisch), abgerufen am 25. Juni 2020.
cite-note-1111. ↑ Sir Winston Churchill, Randolph S. Churchill: Blood, Sweat and Tears. Kessinger Publishing, 2005, S. 173.
cite-note-1212. ↑ Ausgabe Dezember 1939 (Memento vom 19. Dezember 2013 im Internet Archive; PDF; 3,5 MB) der Weißen BlĂ€tter, S. 313, in Das große Weltgeschehen. November 1939 am 7., 13. und 15.
cite-note-1313. ↑ Raymond Cartier S. 66.
cite-note-1414. ↑ Raymond Cartier S. 38 / John Keegan S. 86.
cite-note-1515. ↑ Raymond Cartier S. 37 / John Keegan S. 83.
cite-note-1616. ↑ Raymond Cartier S. 68 / John Keegan S. 86ff
cite-note-1717. ↑ Raymond Cartier S. 59 / John Keegan S. 100.
cite-note-1818. ↑ Raymond Cartier S. 32 / John Keegan S. 95.
cite-note-1919. ↑ John Keegan S. 100.
cite-note-2020. ↑ Raymond Cartier S. 63 / John Keegan S. 96 / Winston Churchill S. 227.
cite-note-2121. ↑ John Keegan S. 103.
cite-note-raymond-cartier-s-94-2222. ↑ Raymond Cartier S. 94.
cite-note-2323. ↑ Raymond Cartier S. 63.
cite-note-2424. ↑ Raymond Cartier S. 64.
cite-note-raymond-cartier-s-78-2525. ↑ Raymond Cartier S. 78.
cite-note-2626. ↑ John Keegan S. 94.
cite-note-raymond-cartier-s-53-2727. ↑ Raymond Cartier S. 53.
cite-note-2828. ↑ John Keegan S. 98.
cite-note-2929. ↑ John Keegan S. 98–99.
cite-note-john-keegan-s-99-3030. ↑ John Keegan S. 99.
cite-note-3131. ↑ Raymond Cartier S. 97.
cite-note-raymond-cartier-s-58-3232. ↑ Raymond Cartier S. 58.
cite-note-3333. ↑ John Keegan S. 97.
cite-note-3434. ↑ John Keegan S. 97–98.
cite-note-3535. ↑ Raymond Cartier S. 61.
cite-note-3636. ↑ John Keegan S. 96.
cite-note-3737. ↑ Raymond Cartier S. 93.
cite-note-3838. ↑ Raymond Cartier S. 65.
cite-note-3939. ↑ Raymond Cartier S. 91 und John Keegan S. 103.
cite-note-4040. ↑ Raymond Cartier S. 25–26.
cite-note-4141. ↑ Winston Churchill S. 223.
cite-note-4242. ↑ Raymond Cartier S. 26.
cite-note-4343. ↑ Raymond Cartier S. 22.
cite-note-4444. ↑ Raymond Cartier S. 39.
cite-note-raymond-cartier-s-35-4545. ↑ Raymond Cartier, S. 35.
cite-note-4646. ↑ Raymond Cartier, S. 34.
cite-note-4747. ↑ Raymond Cartier S. 34 / John Keegan S. 98,101–102 / Winston Churchill S. 226.
cite-note-raymond-cartier-s-75-4848. ↑ Raymond Cartier S. 75.
cite-note-4949. ↑ Raymond Cartier S. 88.
cite-note-5050. ↑ Walter Schaufelberger: Mobilmachung 1939 aus militĂ€rhistorischer Sicht, in: Allgemeine Schweizerische MilitĂ€rzeitschrift (ASMZ), Band 155/1989, S. 443; Henri Guisan: Bericht an die Bundesversammlung ĂŒber den Aktivdienst 1939-1945, Bern 1946, S. 25 (online; abgerufen am 30. Juli 2023); dazu mit weiteren Nachweisen Stefan Sauer: »Die Schweiz 1939/1940 – Im Fadenkreuz der deutschen Abwehr«, in: Der Bote aus dem Wehrgeschichtli-chen Museum Rastatt, Nr. 53/2023, ISSN 1864-8762, S. 90.
cite-note-5151. ↑ Dazu mit weiteren Nachweisen: Sauer/Jordan: »Ein Krieg Ă  la Kafka – Der Sitzkrieg 1939/1940«, S. 82ff.
cite-note-5252. ↑ Jean-Paul Sartre: TagebĂŒcher - Les carnets de la drĂŽle de guerre, September 1939 - MĂ€rz 1940, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1996, ISBN 3-499-13292-3, EintrĂ€ge v. 20.10.1939 und v. 20.02.1940, S. 152, 442; dazu mit weiteren Nachweisen: Sauer/Jordan: »Ein Krieg Ă  la Kafka – Der Sitzkrieg 1939/1940«, S. 84/85.
cite-note-5353. ↑ Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 2, Stuttgart 1979, S. 307.
cite-note-5454. ↑ IMT Vol XV S. 350.
cite-note-dunstan-2012-5555. ↑ Simon Dunstan: Fort Eben Emael: The key to Hitler's victory in the west. Osprey Publishing, 2012, ISBN 978-1-78200-692-3, S. 33 (englisch, google.com): “Accordingly, the Allies first devised Plan E whereby they would advance into Belgium as far as the Scheldt River, but after months of inactivity that the British press termed „sitzkrieg,“ a bolder Plan D emerged that called for an advance as far as the Dyle River, a few miles east of Brussels.”
cite-note-daniels-2006-5656. ↑ Patricia S. Daniels, Stephen Garrison Hyslop, Douglas Brinkley: National Geographic Almanac of World History. National Geographic Society, 2006, ISBN 978-0-7922-5911-4, S. 297 (englisch, google.com [abgerufen am 10. September 2015]): “The invasion of France brought France and Britain into the war. For more than six months, the two sides sat idle — the British press called it Sitzkrieg — as Germany sought to avoid war with Britain without ceding Poland. With war unavoidable, the Germans attacked France on May 10, 1940.”
cite-note-whyte-2011-5757. ↑ Bert Whyte, Larry Hannant: Champagne and Meatballs: Adventures of a Canadian Communist. Athabasca University Press, Edmonton 2011, ISBN 978-1-926836-08-9, S. 17 (englisch, google.com [abgerufen am 10. September 2015]): “When, on September 1, 1939, Germany invaded Poland, which Britain had pledged to defend, Britain declared war. But it did nothing to help Poland; for eight months, the conflict remained strictly the „Phoney War.“ In May 1940, in what the British press had taken to calling the „sitzkrieg“ became a German blitzkrieg throughout Western Europe, Hitler-colluder-with-Chamberlain was replaced by Hitler-antagonist-of-Winston Churchill.”
cite-note-5858. ↑ Deutscher Blitzkrieg gegen englischen Sitzkrieg. In: Wiener Kronen-Zeitung, 9. August 1941, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz